Was war da denn los?
Gleich zwei mal hat es in der letzten Woche in der Türkei geknallt. Bei den zwei Anschlägen gegen das türkische Militär kamen 34 Menschen ums Leben. Beinahe 100 Menschen wurden verletzt.
Sehr schnell wurde von der türkischen Regierung die PKK bzw. der syrische Ableger YPG als Schuldige präsentiert. Salih N. ein syrischer Flüchtling, der bei der Einreise in die Türkei seine Fingerbadrücke abgegeben hat, soll den mit Sprengstoff preparierten PKW beim ersten der beiden Anschläge gefahren und die Bomben auch gezündet haben.
Glücklicher Zufall?
Das Erdogan seine Aktivitäten gern über die Grenze in den syrischen Raum hinein ausdehnen würde ist allseits bekannt. Jedoch fehlt ihm zu seinem Vorhaben die Unterstützung der türkischen Militärführung. Diese befürchtet bei Einsatz von Bodentruppen auf syrischem Boden und in direkter Nachbarschaft zur russischen Armee einen internationalen Zwischenfall mit fatalen Folgen zu provozieren. Gleichzeitig hat ihm wohl Washington signalisiert das man einen Einsatz türkischer Bodentruppen auf keinen Fall unterstützen würde. Soll heißen, man würde die Türkei im Falle einer Auseinandersetzung mit Russland fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Ganz im Gegenteil ist die USA dazu übergegangen die Kurden in den syrischen Gebieten offen mit Ausrüstung zu unterstützen.
Erdogan hätte also gar nichts besseres passieren können als ein bzw. zwei Anschläge von Kurden gegen das türkische Militär. Dabei haben weder PKK noch YPG im Moment einen Nutzen davon. Im Moment stehen sie in der Auseinandersetzung mit der IS stark unter Druck. Gleichzeitig fällt ihnen die Türkei in den Rücken. Den Aggressionen der Türkei eine Begründung zu liefern, in einer Situation in der sie viel mehr auf Hilfe und Verständnis durch die Weltöffentlichkeit angewiesen sind, das halte ich nun wirklich nicht für realistisch.
Wie das Kaninchen aus dem Zylinder!
Mit dieser Einschätzung bin ich wohl nicht ganz allein, denn überall wurden Zweifel an der offiziellen Version der Geschehnisse geäußert. Gleichzeitig bestritten PKK und YPG vehemend ihre Beteiligung an den Anschlägen. Wenig verwunderlich das man plötzlich die TAK, einen bewaffneten Ableger der PKK, aus dem Hut zauberte. Plötzlich war der Attentäter kein syrischer Flüchtling mehr sondern ein türkischer Kurde und die gefundenen Fingerabdrücke spielen keine Rolle mehr.
Die TAK, das sollte man vielleicht wissen, ist auch in der Vergangenheit mit Anschlägen in Verbindung gebracht wurden. Dabei hat die TAK die Gewalt immer in sichere Gebiete der Türkei getragen. Das Ziel war es, die Türkei dadurch zu schwächen das man ihr eine der Haupteinnahmequellen, die Urlauber, entzieht. Auch aktuell warnt die TAK Touristen vor Urlaubsreisen in die Türkei. Weshalb also diese TAK einen Anschlag auf zwei Militärkonvois verübt haben soll, weiß wohl nur Erdogan.
Und nun...?!?
Die Türkei ist vieles, aber im Moment ganz sicher kein verlässlicher Partner. Weder für Deutschland in der Flüchtlingspolitik, noch für die internationale Gemeinschaft bei den Bemühungen um eine Befriedung Syriens. So lange Erdogan dort am Steuer sitzt ist das Land eine tickende Zeitbombe. Die Nato Mitgliedsstaaten genau so wie Russland tuhen gut daran, das im Hinterkopf zu behalten und in jedem Fall besonnen zu reagieren.
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