Sonntag, 21. Februar 2016

Ihr seid nicht das Volk oder die Schande von Clausnitz

Ihr seid nicht das Volk oder die Schande von Clausnitz


Was war da denn los?

Rechenberg-Bienenmühle, Ortsteil Clausnitz, ein Kaff westlich von Altenberg und direkt an der tschechischen Grenze gelegen, kennt, nein kannte bis zu dieser Woche kein Schwein und den allermeisten Menschen in wäre es wohl auch ganz Recht wenn der Ort schnell wieder in der Vergessenheit versinken würde. Rechenberg-Bienenmühle, Ortsteil Clausnitz, kurz Clausnitz ist der Ort in Sachsen der sich auf Grund seiner ausgeprägten Gastfreundschaft hervor tut. Kaum erfuhr man dort, das eine im Ort gelegene Asylunterkunft von fünfzehn Flüchtlingen bezogen werden soll, organisierte man ein ca. einhundert Mann starkes Empfangskomitee, das zur Ankunft der Flüchtlinge Spalier stand, sang und klatschte. Das man in all der Aufregung ein paar Fahrzeuge ungeschickt parkte, so dass der Reisebus mit den Neuankömmlingen erst gar nicht bis zur Unterkunft fahren konnte muss man der Unerfahrenheit der Organisation des Empfangskomitees zu schreiben. Ähnlich verhält es sich mit den Jubelrufen. Wir sind das Volk sollte den verstörten Flüchtlingen doch nur signalisieren das sie in der Mitte der Clausnitzer Bevölkerung angekommen und vor allem Willkommen sind.



Jetzt mal im Ernst!

Einhundert wütende erwachsene Menschen grölen und krakeelen gegen einen Bus mit fünfzehn Flüchtlingen. Die herbei gerufene Polizei ist nicht in der Lage die Situation zu klären. Für ausgesprochene Platzverweise erntet sie vielstimmiges Lachen und muss sich schließlich damit begnügen die Flüchtlinge unter Zuhilfenahme von Gewalt aus dem Bus und in die neue Bleibe zu schleifen. Der Polizeipräsident verteidigt das vorgehen der Beamten vor Ort und holt gleichzeitig zu einem Schlag gegen die Flüchtlinge aus. Die sollen die Situation ja erst zum Eskalieren gebracht haben. Klar, wenn die bloße Anwesenheit als Provokation gewertet wird. Ich zitiere mal aus der freien Presse vom 21.02.2016
“Am Freitagabend war dann im Internet eine Videosequenz aufgetaucht, die zeigt, wie  ein Polizist einen jungen Flüchtling in den Würgegriff nimmt und ihn aus dem Bus zerrt, während draußen die Menge johlt. Dieser Junge habe die Menge draußen mit Gesten wie "Kehle durch" provoziert und den Demonstranten den Stinkefinger gezeigt, sagte Reißmann. Zudem seien die Flüchtlinge auch mithilfe eines Dolmetschers und trotz mehrfacher Aufforderung durch die Polizei nicht zu bewegen gewesen, den  Bus zu verlassen.  Die Polizisten vor Ort hätten befürchtet, dass Steine oder Böller in Richtung Bus fliegen könnten, sagte Reißmann. "Um die Situation nicht noch mehr zu verschärfen und damit Verletzte und Sachschäden zu riskieren, war es notwendig, die Asylsuchenden schnellstmöglich in ihre Unterkunft zu bringen."


 
Na da haben wir es doch. Ein jugendlicher Businsasse (14 Jahre als) hat die jubelnde Menge mit Gesten wie “Kopf ab” und dem Zeigen des Stinkefingers provoziert und um dann die Situation zu entschärfen fällt den Beamten nichts besseres ein, als die Flüchtlinge mit Gewalt aus dem Bus in die Unterkunft zu treiben. Also ich hätte mich vermutlich ebenfalls nicht freiwillig aus dem Bus bewegt. Vermutlich hätte ich mich gegen die Zwangseinquartierung in einer derart offensichtlich feindlichen Umgebung nicht nur passiv gewehrt. Und weil das einige Asylsuchenden offensichtlich wie ich gesehen und Widerstand geübt haben, hat der Polizeipräsident Uwe Reißmann Ermittlungen gegen die Asylsuchenden angekündigt.


Und nun…?!?

Beim Betrachten der Videos konnte ich mich dem Eindruck nicht verwehren ich würde den ersten Deportationen von Juden im dritten Reich zusehen. Die aufgeheizte, aufgestachelte wütende Masse, die Polizeigewalt gegen die Schwachen und Wehrlosen. Ich finde es verstörend wie viel Aggressionspotential da in der Bevölkerung schlummert und ich befürchte das Clausnitz nur der Auftakt zu einer Verschärfung des Fremdenhasses in Deutschland war. Statt mit aller Härte gegen die Täter vor zu gehen ließ man sie gewähren. Genau das ist das Zeichen auf das der schlummernde Radikalismus gewartet hat.
Ich kann nur hoffen das sich die Mitte der Gesellschaft formiert und das die liberalen Kräfte in Deutschland dem Radikalismus seine Grenzen aufzeigt.




Videoquellen:
Video 01 - Thomas Geyer
Video 02 - Liam B.

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